Was ist Contact Improvisation?
Erinnerst du dich an das Gefühl, als Kind einfach so über eine Wiese zu rollen? Ohne Plan, ohne darüber nachzudenken, wie es aussieht, einfach aus der puren Freude an der Bewegung und dem Kontakt mit dem Boden?
Genau diese Freiheit – gepaart mit einer großen Portion Achtsamkeit – findest du in der Contact Improvisation (CI).
Wenn du das erste Mal von dieser Tanzform hörst, schwirren dir vielleicht Fragen im Kopf herum: Ist das Akrobatik? Muss ich dafür super beweglich sein? Und was, wenn ich wildfremden Menschen viel zu nahekomme?
Atme tief durch. In diesem Blogg nehmen wir die Berührungsängste unter die Lupe und schauen uns an, warum Contact Improvisation das schönste (und ehrlichste) Gespräch ist, das dein Körper je führen wird.
Die Geburtsstunde einer Tanz-Revolution
Um zu verstehen, was CI heute ist, reisen wir kurz zurück in die wilden 1970er-Jahre. Der US-amerikanische Tänzer und Choreograf Steve Paxton hatte genug von den starren Regeln des klassischen Balletts und den festen Schrittfolgen des Modern Dance. Er fragte sich: Was passiert eigentlich mit zwei Körpern, wenn sie die Schwerkraft, den Schwung und das Gewicht des anderen nutzen, ohne vorher zu wissen, was als Nächstes passiert?
Aus dieser Forschungsfrage entstand 1972 die Contact Improvisation. Paxton mixte Elemente aus dem zeitgenössischen Tanz mit Prinzipien aus dem Aikido (einer japanischen Kampfkunst) und der puren Physik.
Das Ergebnis? Ein Tanz, der keine Fehler kennt. Weil es keine Schritte gibt, die man falsch machen könnte.
Die drei Grundpfeiler der Contact Improvisation
Im Gegensatz zu Standardtänzen wie Salsa oder Walzer gibt es beim CI keinen "Führenden" und keinen "Folgenden" im klassischen Sinn. Es ist eine demokratische Bewegung, bei der drei Akteure im ständigen Dialog stehen: Du, dein Partner und die Schwerkraft.
Hier sind die drei wichtigsten Basics, die du für deinen ersten Tanz brauchst:
1. Der Rolling Point of Contact (Der rollende Kontaktpunkt)
Das ist das Herzstück des CI. Du und dein Tanzpartner berühren sich an einem Punkt – das kann die Hand sein, die Schulter, die Hüfte oder der Rücken. Während ihr euch bewegt, wandert dieser Punkt wie ein rollender Ball zwischen euren Körpern hin und her. Du musst nicht nachdenken, wohin du gehst; du folgst einfach diesem spürbaren Punkt.
2. Gewicht abgeben und nehmen
CI ist ein Spiel mit der Balance. Mal lehnst du dich sanft an deinen Partner an und schenkst ihm ein Stück deines Gewichts, mal fängst du das Gewicht des anderen mit deinem Becken oder deinen Beinen auf. Das Spannende daran: Durch die richtige Ausrichtung deiner Knochen fühlt sich das Gewicht des anderen plötzlich federleicht an.
3. Die Jam – Dein geschützter Forschungsraum
Contact Improvisation tanzt man selten in steifen Kursen, sondern meistens auf sogenannten Jams. Das ist ein freier Raum, in dem Musik läuft (oder Stille herrscht) und Menschen zusammenkommen, um zu improvisieren. Du kannst alleine tanzen, dir einen Partner suchen, zu dritt tanzen oder einfach nur am Rand sitzen und zuschauen. Alles kann, nichts muss.
"Aber ich bin doch kein Akrobat...!"
Das größte Missverständnis über CI ist, dass man dafür durchtrainiert oder extrem gelenkig sein muss. Wenn man Videos im Internet sieht, in denen Menschen scheinbar schwerelos übereinander fliegen, kann das einschüchternd wirken.
Die Wahrheit ist: Contact Improvisation ist für jeden Körper gemacht.
Es geht nicht darum, wie hoch du springen kannst oder wie ästhetisch eine Bewegung aussieht. Es geht darum, im Hier und Jetzt zu spüren:
Wo ist mein Schwerpunkt?
Wie reagiert der Körper meines Gegenübers auf meinen Druck?
Wie kann ich weich in den Boden sinken?
Es ist ein Tanz der Achtsamkeit. Dein Körper ist genau so, wie er jetzt gerade ist, absolut perfekt dafür geeignet.
Contact Improvisation ist eine Reise zu dir selbst und zu einer völlig neuen Form der Kommunikation.
Ein kleiner Impuls für deinen Alltag:
Achte heute mal darauf, wie du dein Gewicht an deine Umwelt abgibst. Wie schwer sinkst du in deinen Bürostuhl? Wie intensiv spürst du den Druck des Bodens unter deinen Füßen beim Gehen? Das ist bereits der Beginn deiner Contact-Reise.
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